Dienstag, 21. Februar 2017

|Wake-Up-Call| Rede! Und rette damit die Demokratie





Zugegeben, die Headline mag für den ein oder anderen überzogen klingen. Die täglichen Trump-Eilmeldungen auf unsere Handys sollten uns aber wachrütteln. Uns, die wir nie für Demokratie kämpfen mussten und sie für selbstverständlich hinnehmen. Wahrscheinlich für zu selbstverständlich.
 
2017 ist ein entscheidendes Jahr für Europa. Nicht nur wir in Deutschland wählen, sondern auch die Franzosen, die Niederländer, vielleicht auch die Italiener. Diese Wahlen entscheiden, für welche Werte unsere zukünftigen Regierungen stehen, für welches Weltverständnis sie sich einsetzen.

Ob Fake-News die Wahl in den USA entschieden haben wird man nie sagen können – aber beeinflusst haben sie das Ergebnis sicherlich. Europa wird die neue Zielscheibe dieser Angriffe. In Frankreich wird der aussichtsreiche Kandidat schon Opfer einer Fake-Kampagne, die besagt, dass er homosexuell sei und von einer reichen Gay-Lobby unterstützt werde. Ehrlich gesagt, ist dieser Feldzug in Frankreich wahrscheinlich nicht vielversprechend, aber es ist ein Weckruf: Fake-News werden auch hier eingesetzt, um Wahlen zu entscheiden, um ungeliebte Regierungen abzusetzen.

Es geht jetzt gar nicht darum, zu analysieren, warum und wie Russland diese Methoden einsetzt.     
Viel wichtiger ist, klar zu machen, dass jeder! von uns etwas dagegen tun kann – und muss.

Dass wir jungen Menschen, zumindest viele von uns, faul gewesen sind, wenn es darum geht, die Demokratie zu schützen, ist kein Geheimnis. Der Silberstreif der Wahl Trumps ist, dass wir endlich aufwachen.

Fake-News sind derzeit ein großes Thema. Übrigens sollte man sie eigentlich nicht Fake-News nennen, das verharmlost, was sie eigentlich sind: Lügen und Unwahrheiten.                                         

Politiker beraten darüber, was man tun kann, um die Verbreitung von Fake-News zu stoppen. Nachrichtenseiten und soziale Netzwerke wollen Maßnahmen gegen die gefährlichen Unwahrheiten entwickeln.

Fake-News verbieten –  ist das umsetzbar? Würde das überhaupt helfen? Vielleicht, vielleicht auch nicht. Aber wieso reden wir so viel darüber, wie man die Verbreitung stoppt? Zu jedem Angebot gehört eine Nachfrage – und letztere sollte ein mindestens genauso wichtiger Ansatzpunkt sein.

Fake-News gab es schon vor der Zeit des Internets. Da waren es Gerüchte und Unwahrheiten, die zu später Stunde bei feucht-fröhlichen Kneipen-Gesprächen entstanden sind. Am nächsten Tag wurde allerdings entweder die Geschichte, oder der, der sie verbreitet hat, nicht mehr ernst genommen. Und bevor es soziale Netzwerke gab und Emails mit dubiosen Zeilen im Spam-Ordner landeten, hätte man sich wohl lächerlich gemacht, wenn man sie weitergeleitet oder in Gesprächen als Quelle genutzt hätte.

Klicken, liken und teilen funktioniert etwas anders. In Zeiten von Informationsflut und steigender Sensationsgier haben es Fake-News viel einfacher. Was kann man also tun?

Freunde und Bekannte aus der Freundes-Liste zu löschen, weil sie eine Fake-News-Geschichte liken oder teilen, ist sicherlich nicht die richtige Lösung. Nicht nur weil es Filter-Bubbles bestärkt, sondern auch weil es den richtigen Weg versperrt. Warum?

Wenn man „etwas mit Medien“ studiert hat, dann gibt es eine Botschaft, die hängen bleibt: Medien selbst beeinflussen unsere Meinung kaum bis gar nicht. Eine Nachricht oder Werbung wird unsere Meinung nur in den seltensten Fällen ändern. Aber was hat dann Einfluss auf uns?

Gespräche! Reden! Diskussionen! Mit Freunden, Familie, Kollegen und vor allem in Schulen. Hier können wir überzeugt werden, hier können wir unsere Ansicht ändern. 

Statt jemanden einfach zu entfreunden, sollte man also versuchen, das Gespräch zu suchen. Gleichzeitig gilt, realistisch genug zu sein, um zu wissen, dass manche Menschen für die entsprechenden Argumente dann nicht zugänglich sind. Manche, aber nicht alle.

Und was, wenn man niemanden kennt, der Fake-News lesen oder verbreiten würde? 
Klar, das ist gut möglich. Aber: Wenn wir alle anfangen darüber zu sprechen, ein Bewusstsein schaffen und eine neue Diskussions-Kultur anstoßen, dann erreicht diese Herangehensweise auch Menschen, die Freunde haben, die Fake-News liken oder teilen – teilweise ohne zu wissen, dass es Fake-News sind. Und diese Freunde wissen dann, was sie tun müssen: Reden und nicht entfreunden! 

Wenn es so einfach ist, etwas für die Demokratie zu tun, dann sollten wir es alle machen. Spread the news.




Thanks to Ben Scott and his food for thought at the Hertie-Event 02/20/2017.

Mittwoch, 27. Juli 2016

Der überklebte Apfel und die Armee der Heuchler



Manchmal denke ich mir, es ist wie eine Invasion. Sie sind mittlerweile überall. Vielleicht reagiere ich sensibel auf sie. Das können sie übrigens gar nicht verstehen, wenn jemand ihre Sicht der Dinge nicht teilt. Dann erntet man schnell dieses abschätzige Lächeln gepaart mit einem Kopfschütteln und dieser seltsamen Kopfstellung (ähnlich wie bei Frauke Petry, deren Mimik bei Talkshowauftritten schon ausreichen kann, um ein Gefühl der Aggression auszulösen).
Sie sind meistens noch recht jung, oft recht gebildet und gehören häufig zu den Menschen, die sich zumindest in materieller Hinsicht keinerlei Sorgen machen müssen.

Ihre Mission: Die Welt verbessern.
Ihre Herangehensweise: Radikal und intolerant.
Ihre Art: Scheinheilig.

Es sind immer wieder die gleichen Themen. Umwelt ist dabei so ein Renner. Mit ernstem Blick und verurteilender Mimik wird debattiert. In einem Uni-Seminar, das die Finanzkrise behandelte, diskutierten wir darüber, wie viel Wale man hätte retten können, hätte man mit dem Geld nicht die Banken gerettet. Sicherlich wären das viele Wale gewesen. 

Der Versuch diesen Vergleich als nicht zielführend darzustellen, endet meist in Anschuldigungen dem Kapitalismus verfallen und somit ethisch und moralisch abgestumpft zu sein. 

Ethik und Moral sind die Lieblingsargumente dieser Menschen. Sachliche Diskussionen fallen daher oft schwer. Interessant wird es, wenn die vermeintlichen Umweltaktivisten und Weltverbesserer ihr i-Phone rausholen oder sich ihrem Macbook widmen.

Da kommen wir auch schon zum nächsten Erkennungszeichen: Der überklebte Apfel auf ihrem Macbook. 

Damit haben sie den Kapitalismus im Produkt ausreichend abgestraft. Jetzt prankt dort ein Sticker. Und damit meine ich nicht einen dieser Sticker, die den Apfel irgendwie in Szene setzen – nein, es sind die Aktivisten-Sticker. Ob von Peta, Occupy oder Greenpeace ist dabei eigentlich egal – Hauptsache, sie verdecken den Apfel.
Scheinheiligkeit. Oft gepaart mit dieser Intoleranz. Das finde ich immer wieder aufs Neue ironisch, weil kaum jemand so oft Toleranz fordert wie sie. Besonders ausgeprägt sind diese Eigenschaften dann, wenn viele von ihnen zusammen sind. Dann pushen sie sich gegenseitig und überbieten sich in ihren Ansichten und Theorien – Widerspruch wird entweder freundlich ignoriert oder, wenn er denn wahrgenommen wird, mit den Lieblingsargumenten aus Moral und Ethik degradiert.

„Moralische Entrüstung ist der Heiligenschein der Scheinheiligen“ Helmut Qualtinger, österreichischer Schauspieler

Noch viel schlimmer ist eigentlich, wie gut sie damit ankommen. Sie werden gefeiert. Selbst in der Promi-Welt ist dieses Phänomen erfolgreich eingezogen. Bestes Beispiel: Oscar-Preisträger Leornardo DiCaprio. Dieser Umweltschützer. Er liebt die Natur und wird auch nicht müde in jedes Interview und Statement einen Satz einfließen zu lassen, der seinen Einsatz gegen die Klimaerwärmung und Umweltverschmutzung klar macht. Dafür hat er sogar schon Preise bekommen. Die holt er sich am liebsten mit seinem Privat-Jet ab – wieso sollte man auch einen Linienflug nehmen?

Ist es nicht komisch, dass ein Mann, dessen eigener ökologischer Fußabdruck allein durch seine spritfressenden Luxusyachten höher ist als der einer Durchschnittsfamilie, für sein Umweltengagement geehrt wird?

Doch diese Scheinheiligkeit ist wohl en vogue. Diese Bewunderung und Anerkennung für ein Verhalten kann ganze Trends auslösen. Beispiel Ernährung. In Berlin ist es mittlerweile eigentlich kein Trend mehr, sondern vielmehr Alltag. Öko, vegetarisch oder vegan – ich bin der Letzte, der etwas dagegen hätte. Über Missionierungsversuche wurde sich oft genug aufgeregt, an sie hat man sich gewöhnt. Es ist vielmehr dieser Anspruch der oft dahinter steckt: Für mich nur die beste Ernährung. Nur Bio, kein Fleisch, Zucker und Fett am besten auch nicht – es bleibt eine kleine Auswahl an hochwertigen überteuerten Lebensmitteln. 

Was die Anhänger dieser Esskultur häufig vergessen ist, dass es Luxus ist, dieser Lebensart zu folgen. 

Und auch, dass es oft eine gewisse Form des Egoismus ist. Verkauft wird sie aber ganz anders: Als Liebe zur Umwelt und als Statement gegen den Konsum. Leider entspricht diese Etikette nicht ganz dem Inhalt des Verhaltens. Doch auch hier hat sich die Scheinheiligkeit ihren Weg gebahnt.

Die Kette kann man ewig fortsetzen – mir reicht es meistens schon meinen Facebook-Newsfeed durchzuschauen. Da finde ich immer wieder neue Scheinheiligkeitsmomente. 

Und dann frage ich mich manchmal: Gibt es so viele, die auf den überklebten Apfel reinfallen? 

Dienstag, 28. Juli 2015

Hinderl[ICH]



Ich bin gern‘ Kapitän auf meiner Selbstverwirklichungsfähre,
Doch in stürmischen Zeiten greif‘ ich lieber eine Hand als ins Leere.
Bloß hat sich die Lage dann wieder beruhigt und entspannt,
Wird die Hand, die mich hielt, schnell in die Autonomie verbannt.

Ich hinterfrage stets und ständig, kann alles grenzenlos überdenken,
Um mir dann die Klarheit meiner verwirrten Gedanken zweifelnd einzuschenken.
Ich glaub‘  kaum noch an Schicksal und an ewige Liebe,
Bin ständig selbstgemachtes Opfer meiner eigenen Triebe.

Woher soll ich wissen, dass der nächste nicht besser ist,
Dass er nicht etwas mehr meinen überhöhten Idealen entspricht?
Du bist nicht das Problem, du zeigst mir nur wieder aufs Neue –
Ich verpflichte mich nur mir selbst zu bedingungsloser Treue.

Mein Herz ist so getaktet wie ein bipolarer Magnet,
Es schlägt aus, wenn Anziehung Ablehnung gegenübersteht.
Ich kann irgendwie nicht zu zweit, kann mich irgendwie nicht binden,
Ein uns kann ich nicht leben und mein Ich kein wir erfinden.

Ich bin wie ein Planet, der sich bloß um sich selbst dreht.
Wirft mich jemand aus der Bahn, wird das selten konkret,
Weil meine Umlaufbahn im Zeichen der Selbstliebe steht.

Mit jedem Schritt in Richtung mehr Intimität ,
Wird begrenzte Freiheit einschnürende Realität.
Stück für Stück verlier ich so meine Identität,
Also zieh ich die Bremse lieber zu früh als zu spät.

Mittwoch, 22. Oktober 2014

Du und Ich




Wir waren seelenverwandt   -   dann ist deine Seele erkrankt.
Du hast deine Freunde verkannt, dann aus deinem Leben verbannt.
Ich hab versucht dir zu helfen, hab versucht dich zu heilen,
Doch du warst längst durchlöchert von Narziss` Pfeilen.

Du warst mein Herzmensch und Gewissen, mein Anker und mein Hort,
Doch statt mir Zuflucht zu spenden, läufst du berauscht vor dir fort.
Wir haben uns blind vertraut, haben uns wortlos verstanden,
Doch mit ehrlichen Worten kann man bei dir nicht mehr landen.

Du schaust in den Spiegel und du erkennst dich nicht mehr,
Deine Augen, deine Aura – alles ausdruckslos und leer.
Doch du lässt dir nicht helfen, du spielst das Spiel weiter,
Du denkst du gewinnst und wählst die falschen Begleiter.

Die Prinzipien sind verschoben, dein Gewissen verbogen -
Dem Narzissmus verfallen und deine Selbstachtung belogen.
Die Gläser sind leer, die Pillen geschluckt und die Lines gezogen
Mit jedem Rausch ein Stück Moral und dein Ethos betrogen.

Dein Kompass war gerichtet auf Treue und Vertrauen,
Bis du begonnen hast auf scheinbare Freunde zu bauen.
Deine Nadel schlägt jetzt nur noch bei Exzessen aus –
Du schmeißt die Werte über Bord, und die Schuldenballast raus.

Es tut mir weh zu sehen, wie du an dir selbst zerbrichst,
Wie dein altes Ich verblasst - in deinem Hochmut erlischt.               
Du taumelst durch dein Leben wie ein angezähltes Tier,
Bald bist du alleine -
Und nicht mehr ich, sondern du selbst stehst neben dir.