Mittwoch, 22. Oktober 2014

Du und Ich




Wir waren seelenverwandt   -   dann ist deine Seele erkrankt.
Du hast deine Freunde verkannt, dann aus deinem Leben verbannt.
Ich hab versucht dir zu helfen, hab versucht dich zu heilen,
Doch du warst längst durchlöchert von Narziss` Pfeilen.

Du warst mein Herzmensch und Gewissen, mein Anker und mein Hort,
Doch statt mir Zuflucht zu spenden, läufst du berauscht vor dir fort.
Wir haben uns blind vertraut, haben uns wortlos verstanden,
Doch mit ehrlichen Worten kann man bei dir nicht mehr landen.

Du schaust in den Spiegel und du erkennst dich nicht mehr,
Deine Augen, deine Aura – alles ausdruckslos und leer.
Doch du lässt dir nicht helfen, du spielst das Spiel weiter,
Du denkst du gewinnst und wählst die falschen Begleiter.

Die Prinzipien sind verschoben, dein Gewissen verbogen -
Dem Narzissmus verfallen und deine Selbstachtung belogen.
Die Gläser sind leer, die Pillen geschluckt und die Lines gezogen
Mit jedem Rausch ein Stück Moral und dein Ethos betrogen.

Dein Kompass war gerichtet auf Treue und Vertrauen,
Bis du begonnen hast auf scheinbare Freunde zu bauen.
Deine Nadel schlägt jetzt nur noch bei Exzessen aus –
Du schmeißt die Werte über Bord, und die Schuldenballast raus.

Es tut mir weh zu sehen, wie du an dir selbst zerbrichst,
Wie dein altes Ich verblasst - in deinem Hochmut erlischt.               
Du taumelst durch dein Leben wie ein angezähltes Tier,
Bald bist du alleine -
Und nicht mehr ich, sondern du selbst stehst neben dir.

Dienstag, 11. März 2014

Berl[IN]



Jeder hier ist echt offen und betont tolerant-
Man kennt die Bands deiner Playlist? – ups, verbannt.
Die Nächte sind länger, die Beats intensiver-
Die Pillen sind bunter und Dope attraktiver.
Jeder hier ist high, die Konformisten applaudieren,
Jeder hier ist in, weiß Analogie zu drapieren.

Freunde sind hier Ware, Liebe ein Geschäft-
Auch wenn ich nichts zahle, mir wird davon schlecht.
Alle verstehen dich, denken genauso wie du-
Die Musik ist echt gut    -    keiner hört dir zu.

Hier lebt man in der Angst als normal zu gelten-
Umstellt von Verstellten, die die Echtheit entstellten.
Umso geiler dein Leben, den Durchschnitt gefickt,
Umso mehr in der Wirklichkeit längst schon erstickt.

Über Kapitalismus wird sich hier ständig beschwert,
Dabei ist jeder Kontakt, der was bringt, heiß begehrt.
Von Trends und en vogue ist hier jeder genervt,
Anders sein im Einklang und die Krise ist entschärft.

Jeder hier hat Talent,  ganz exzeptionelle Gaben-
Nichts können, aber Geld für die Selbstvermarktung haben.
Jeder hält sich alles offen, für alles eine Option-
Klarheit ist keine Lösung für die Fame-Funktion.

Alle tragen Masken, hier herrscht Doppelmoral-
Das Gesicht voller Narben,  der Ball eine Qual.
Wahrheit ist hier Gift, Lügen Lebenselixier-
Jeder hier trägt stolz das Narzissmus-Visier.
Jeder hier spielt, und keiner hört mehr auf-
Wie ein Mensch Ärger dich nicht-
Und ich flieg ständig raus.

Dienstag, 4. Februar 2014

Verblasste Lippen



Ich hab geliebt, um zu lieben und hab umsonst gefickt-
Zu lange vor Ort hör ich die Uhr, die anbiedernd tickt.
Jeden Morgen wache ich müde woanders auf-
Bin mein einziger Gegner im Emotionswettlauf.

Ein Kaffee, ein Tee - Frühstück im Bett,
Und dennoch will ich hier nur noch weg.
Freiraum oder Enge – kein Wasser erreicht meine Mühlen.
Es bleibt immer genug Platz, sich fehl Platz zu fühlen.

Nuancen vieler Gerüche, ich kenn jetzt jedes Parfüm,
Immer ‘ne andere Verkleidung, ich kenn jetzt jedes Kostüm.
Auf vielen Matratzen habe ich intensiv nach dir gesucht-
Doch jeder Zufluchtsort ist von deiner Verve verflucht.

Nach jedem Höhepunkt hab ich meinen Tiefpunkt erreicht,
Nach jedem Kuss sind meine Lippen weniger rot und mehr bleich.
Meine Lust ist meine Sucht, mein Verlangen treibt mich raus:
In Ekstase und doch nüchtern komm ich resigniert nach Haus -
Hier erbreche ich meine Seele, doch es kommt nichts heraus.

Sonntag, 24. November 2013

Seidenmalerei


Ich will nicht gezwungen sein an dich zu denken,
keine Zwangsromanzen mit intimen Geschenken,
Ich glaub nicht an Liebe, die so funktioniert,
Verlangen erwacht, wenn man sich distanziert.
Eng mich nicht ein und text mich nicht zu,
auf meiner Agenda steht ich und nicht du.
Ich will im Bett keinen anderen außer dir,
aber jede Nacht mit dir, das ist mir zu viel wir.
Würdest du verstehen, wie ich funktioniere,
Wüsstest du, dass ich dich so nicht respektiere.
Ich will klare Konturen, nicht Malerei auf Seide -
Gib mir mehr Raum, dann ist hier Platz für uns beide.
Du warst anfangs interessant, da war Potenzial.
Doch deine Dauerpräsenz lässt mir keine Wahl.
Ich heb nicht mehr ab, lass dich nicht mehr ran-
Mit überspanntem Bogen schießt du dich selber an.
 
 
photo by Roberto Brundo.

Montag, 28. Oktober 2013

Entzug.


 
 
 
Stimmen und Geräusche aus allen Kanälen-
Wir dröhnen uns zu, bevor uns die Gedanken quälen.
Ein Flimmern, ein Flackern für unseren Rausch-
Aus Angst vor der Stille sind wir Dauerdrauf.
 
Warum tun wir uns so schwer, allein mit uns zu sein?
Handy in der Hand - so schlafen wir abends ein.
Können wir die stillen Momente nicht mehr ertragen?
Weichen wir ihnen aus, um uns nicht zu hinterfragen?
 
Kein Ton, kein Theater –  regungslos allein.
Sinne entspannt, kein Haben - sondern Sein.
Dein Bewusstsein zieht latent an dir vorbei-
Fühlst du dich bedrückt oder fühlst du dich frei?
 
Beginnst du damit, dich selbst zu reflektieren?
Dein Ich auch in Stille vollends zu respektieren?
Willst du bei mir sein und willst du bei mir bleiben-
Dann ist Ruhe der Anker, die Zukunft von uns beiden.
 
 
veröffentlich auch in :
www.myp-magazine.com

photo by Roberto Brundo.

Montag, 19. August 2013

Zermürbt und Gebrochen.



Siehst du nicht, dass sie dich liebt -
Dir, egal was du tust, unermüdlich ihre Liebe gibt ? 
Es scheint als sei dir das egal, als ging es an dir vorbei-
Ihr Leid, ihre Tränen - ihr hilfloser Hilfeschrei.
Ist ihr Leid nicht auch deines, ihre Träne nicht dein Schmerz?
Wieso hörst du nicht auf? Ist ihr Elend dein Kommerz?
Was hat dich zu dem gemacht, was du jetzt bist?
Woher kommt dieser Hass, der erst dich, dann sie zerfrisst?
Macht es dich glücklich, sie gebrochen zu haben?
Du hast mal versprochen sie auf Händen zu tragen.
Hast du keine Liebe mehr in dir? Warum geht alles entzwei?
Wenn dein Kind schon vor dir weint, geht selbst das an dir vorbei?
Du sagst, sie solle sich ändern, nichts läge an dir.
Anstatt dich dafür zu verachten, nagt deine Wahrheit an ihr.
Hast du Angst vor dir selbst? -  Du stößt alles von dir.
Ist da irgendwas in dir, was dir noch mehr Angst macht als ihr?
Bitte höre mit alldem auf - sie kann das nicht länger ertragen.
Sie weint sich in den Schlaf, ihr versagen Nerven und der Magen,
denn sie weiß am Tag, wird sie erneut in deinen Augen versagen.
Du hast dich in dir selbst zerbissen, du weißt nicht mehr wer du bist.
Bitte finde dich schnell – und liebe - bevor es für immer zu spät ist.

Sonntag, 2. Juni 2013

Selbst Liebe. Selbstliebe.


Deine Arroganz war zugegeben anfangs attraktiv,
Doch als dann nichts mehr folgte, war es nur noch primitiv.
Ich hab in dir mehr Mensch gesehen, mehr als diese Facette;
Doch je mehr ich dich ergründe verblasst die schöne Silhouette.

Du weißt nicht was du willst - und davon willst du zu viel.
Du verlebst, du vergehst - verschwendest gierig statt substil.           
Du bist Mittelpunkt in deiner eigenen Welt;
Du drehst dich trotzdem im Kreis, weil du dir so sehr gefällst.

Du jagst, du frisst, versuchst dich jetzt auch an mir-
Als wär´ ich dein Spielzeug, so als gehöre ich dir.
Bevor ich ´ne Nummer bin, ein Name in deinem kleinen Buch,
Schreib´ ich dick Hure auf deine Stirn und werfe das Handtuch:

Ich mag dich, du liebst dich, ich lieb mich noch mehr,
Für deinen Narzissmus geb´ ich mich nicht her.
Du versucht zu verstecken, dass du aus Angst jeden verbannst,
Wie schade ist es doch, dass du dich selbst nicht ficken kannst.