Dienstag, 28. Juli 2015

Hinderl[ICH]



Ich bin gern‘ Kapitän auf meiner Selbstverwirklichungsfähre,
Doch in stürmischen Zeiten greif‘ ich lieber eine Hand als ins Leere.
Bloß hat sich die Lage dann wieder beruhigt und entspannt,
Wird die Hand, die mich hielt, schnell in die Autonomie verbannt.

Ich hinterfrage stets und ständig, kann alles grenzenlos überdenken,
Um mir dann die Klarheit meiner verwirrten Gedanken zweifelnd einzuschenken.
Ich glaub‘  kaum noch an Schicksal und an ewige Liebe,
Bin ständig selbstgemachtes Opfer meiner eigenen Triebe.

Woher soll ich wissen, dass der nächste nicht besser ist,
Dass er nicht etwas mehr meinen überhöhten Idealen entspricht?
Du bist nicht das Problem, du zeigst mir nur wieder aufs Neue –
Ich verpflichte mich nur mir selbst zu bedingungsloser Treue.

Mein Herz ist so getaktet wie ein bipolarer Magnet,
Es schlägt aus, wenn Anziehung Ablehnung gegenübersteht.
Ich kann irgendwie nicht zu zweit, kann mich irgendwie nicht binden,
Ein uns kann ich nicht leben und mein Ich kein wir erfinden.

Ich bin wie ein Planet, der sich bloß um sich selbst dreht.
Wirft mich jemand aus der Bahn, wird das selten konkret,
Weil meine Umlaufbahn im Zeichen der Selbstliebe steht.

Mit jedem Schritt in Richtung mehr Intimität ,
Wird begrenzte Freiheit einschnürende Realität.
Stück für Stück verlier ich so meine Identität,
Also zieh ich die Bremse lieber zu früh als zu spät.

Mittwoch, 22. Oktober 2014

Du und Ich




Wir waren seelenverwandt   -   dann ist deine Seele erkrankt.
Du hast deine Freunde verkannt, dann aus deinem Leben verbannt.
Ich hab versucht dir zu helfen, hab versucht dich zu heilen,
Doch du warst längst durchlöchert von Narziss` Pfeilen.

Du warst mein Herzmensch und Gewissen, mein Anker und mein Hort,
Doch statt mir Zuflucht zu spenden, läufst du berauscht vor dir fort.
Wir haben uns blind vertraut, haben uns wortlos verstanden,
Doch mit ehrlichen Worten kann man bei dir nicht mehr landen.

Du schaust in den Spiegel und du erkennst dich nicht mehr,
Deine Augen, deine Aura – alles ausdruckslos und leer.
Doch du lässt dir nicht helfen, du spielst das Spiel weiter,
Du denkst du gewinnst und wählst die falschen Begleiter.

Die Prinzipien sind verschoben, dein Gewissen verbogen -
Dem Narzissmus verfallen und deine Selbstachtung belogen.
Die Gläser sind leer, die Pillen geschluckt und die Lines gezogen
Mit jedem Rausch ein Stück Moral und dein Ethos betrogen.

Dein Kompass war gerichtet auf Treue und Vertrauen,
Bis du begonnen hast auf scheinbare Freunde zu bauen.
Deine Nadel schlägt jetzt nur noch bei Exzessen aus –
Du schmeißt die Werte über Bord, und die Schuldenballast raus.

Es tut mir weh zu sehen, wie du an dir selbst zerbrichst,
Wie dein altes Ich verblasst - in deinem Hochmut erlischt.               
Du taumelst durch dein Leben wie ein angezähltes Tier,
Bald bist du alleine -
Und nicht mehr ich, sondern du selbst stehst neben dir.

Dienstag, 11. März 2014

Berl[IN]



Jeder hier ist echt offen und betont tolerant-
Man kennt die Bands deiner Playlist? – ups, verbannt.
Die Nächte sind länger, die Beats intensiver-
Die Pillen sind bunter und Dope attraktiver.
Jeder hier ist high, die Konformisten applaudieren,
Jeder hier ist in, weiß Analogie zu drapieren.

Freunde sind hier Ware, Liebe ein Geschäft-
Auch wenn ich nichts zahle, mir wird davon schlecht.
Alle verstehen dich, denken genauso wie du-
Die Musik ist echt gut    -    keiner hört dir zu.

Hier lebt man in der Angst als normal zu gelten-
Umstellt von Verstellten, die die Echtheit entstellten.
Umso geiler dein Leben, den Durchschnitt gefickt,
Umso mehr in der Wirklichkeit längst schon erstickt.

Über Kapitalismus wird sich hier ständig beschwert,
Dabei ist jeder Kontakt, der was bringt, heiß begehrt.
Von Trends und en vogue ist hier jeder genervt,
Anders sein im Einklang und die Krise ist entschärft.

Jeder hier hat Talent,  ganz exzeptionelle Gaben-
Nichts können, aber Geld für die Selbstvermarktung haben.
Jeder hält sich alles offen, für alles eine Option-
Klarheit ist keine Lösung für die Fame-Funktion.

Alle tragen Masken, hier herrscht Doppelmoral-
Das Gesicht voller Narben,  der Ball eine Qual.
Wahrheit ist hier Gift, Lügen Lebenselixier-
Jeder hier trägt stolz das Narzissmus-Visier.
Jeder hier spielt, und keiner hört mehr auf-
Wie ein Mensch Ärger dich nicht-
Und ich flieg ständig raus.

Dienstag, 4. Februar 2014

Verblasste Lippen



Ich hab geliebt, um zu lieben und hab umsonst gefickt-
Zu lange vor Ort hör ich die Uhr, die anbiedernd tickt.
Jeden Morgen wache ich müde woanders auf-
Bin mein einziger Gegner im Emotionswettlauf.

Ein Kaffee, ein Tee - Frühstück im Bett,
Und dennoch will ich hier nur noch weg.
Freiraum oder Enge – kein Wasser erreicht meine Mühlen.
Es bleibt immer genug Platz, sich fehl Platz zu fühlen.

Nuancen vieler Gerüche, ich kenn jetzt jedes Parfüm,
Immer ‘ne andere Verkleidung, ich kenn jetzt jedes Kostüm.
Auf vielen Matratzen habe ich intensiv nach dir gesucht-
Doch jeder Zufluchtsort ist von deiner Verve verflucht.

Nach jedem Höhepunkt hab ich meinen Tiefpunkt erreicht,
Nach jedem Kuss sind meine Lippen weniger rot und mehr bleich.
Meine Lust ist meine Sucht, mein Verlangen treibt mich raus:
In Ekstase und doch nüchtern komm ich resigniert nach Haus -
Hier erbreche ich meine Seele, doch es kommt nichts heraus.